AdblockerIn den letzten Wochen und Monaten ist ein verstärktes Stöhnen in der Werbebranche zu hören. Der Grund für diese oft düsteren Laute ist schnell ausgemacht: Immer mehr Nutzer verwenden in ihrem Browser einen der zahlreichen Adblocker, welcher geschickt die Werbung ausblendet. Natürlich ist das ein Schlag ins Gesicht für alle Portale, die sich mit Werbung finanzieren. Axel Springer und andere Verlage haben deshalb längst die Notbremse gezogen und ihre Portale wie Bild.de & Co. für Nutzer mit Adblockern gesperrt und auch andere Seiten setzen hier inzwischen an. „Du kommst hier ned rein!“ lautet das Gebot der Stunde. Ein Fehler, wie ich persönlich finde.

Werbung frisst Content – Ein hausgemachtes Problem?

Wer in Bereich E-Commerce und Online-Marketing tätig ist, hat jeden Tag mit Werbung im Internet zu tun. Werbebanner, Affiliate-Links, Pop-Ups, Layer-Werbung, Videos, etc. sind nur einige der aktuell möglichen und beliebten Werbeträger, die man immer häufiger auf kleinen und großen Portalen findet. Das Problem hierbei, welches mir immer häufiger auffällt ist, dass man auf zahlreichen Portalen den eigentlichen Content vor lauter Werbung fast nicht mehr sehen kann oder diese so ungeschickt platziert ist, dass sie einfach nur noch nervt.

Was im ersten Augenblick und kurzfristig natürlich für deutlich mehr Geld in den Kassen der Publisher sorgt, dürfte langfristig jedoch für frustrierte Nutzer sorgen. Kein Wunder also, dass allein in Deutschland inzwischen über 25% der Internetnutzer einen Adblocker wie z.B. Adblock Plus, Ghostery & Co. nutzen. Wer sich jetzt erstaunt die Augen reibt: Mit diesen 25% liegt Deutschland sogar noch deutlich hinter Malta (28%), Polen (35%) und Griechenland (40%). Ja, ihr habt richtig gelesen: VIERZIG PROZENT! Diese Zahlen muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen, denn sie wird von allein kaum weniger werden. Auch nicht durch vermeintliche Sperren der Publisher, davon bin ich inzwischen überzeugt.

Wir müssen die Nutzer verstehen, um das Problem zu lösen!

Auch wenn es zunächst ärgerlich ist: Wer meint, er könne 25% (oder mehr) an potenziellen Nutzern/Kunden einfach aussperrt, nur weil sie einen Adblocker nutzen, muss meiner Meinung nach schon mächtig viel Mumm in den Knochen haben. Denn: Welcher Internetnutzer wird sich schon freuen, wenn ihm die Tür direkt vor der Nase zugeschlagen wird? Sicherlich wird ein kleiner Teil die Werbung für die Website wieder freigeben bzw. den Adblocker deaktivieren – aber eben nur ein kleiner Teil. Der Rest wird sich nach alternativen Websites im Netz umschauen und die sind Dank Google, Bing, Yahoo & Co. ja nur einen Klick entfernt und dass ein verlorener Nutzer nicht so schnell wiederkommt, wenn man ihn vergrault hat. Statt sofort die Brechstangenmethode a la Springer & Co aus der Hinterhand zu holen, sollte man sich also zunächst fragen: Warum nutzen so viele User inzwischen überhaupt einen Adblocker? Nur so kann man das tatsächliche Problem bei der Wurzel packen – bin ich der Meinung. Das Problem sollte an der Wurzel gepackt werden.

Lästige Werbung ist ein Nutzer-Albtraum…

Ich mache es mal kurz und knackig, auch wenn es viele vielleicht nicht hören möchten: Ein großer Teil der Nutzer greifen zum Adblocker, weil sie sich von der Werbung belästigt fühlt. Die Gier nach immer mehr Klicks und schnellem Ca$h hat viele Portale inzwischen zu einer reinen Werbewürste verkommen lassen. Blinkende XXL-Banner hier, automatisch startende Videos mit Sound dort und dazu noch nervige Layer-Werbung mit gut versteckten Schließfunktionen sind nur einige Beispiele für tödliche Werbemaßnahmen im Web. Leider verstehen viele Publisher immer noch nicht, dass Adblocker & Co eine stille Form von Nutzerprotest sind, die man zwar nicht hören – aber sehr deutlich in seinen Auswertungen findet. Und noch schlimmer: Es wird nicht aus der aktuellen Situation gelernt, sondern einfach der „Adbblock-Blocker“ angeworfen. Aber lästige Werbung ist nur ein Faktor. Es gibt noch deutlich mehr Gründe, warum so viele Nutzer inzwischen auf Adblocker setzen: Datenschutz und IT-Sicherheit! Und wenn man sich in einschlägigen Foren und Communities umhört, liegt genau hier der Hase im Pfeffer…

Von Viren, Trojaner, Malware & Co.

Während vor 8-10 Jahren die Werbebanner in der Regel noch direkt vom Publisher in die Portale integriert und von seinem Server ausgeliefert wurden, so gibt es inzwischen dutzende Werbenetzwerke, über welche die Werbung ausgeliefert wird. Dies hat natürlich erhebliche Vorteile für den Publisher. Was dabei aber oft verkannt wird ist, dass diese Integration auch ein echtes Sicherheitsrisiko darstellt. Ein noch recht aktueller Fall von AOL, BBC und New York Times hat mal wieder gezeigt, warum die Gefahr im größer wird und warum die Nutzer sich neben Virenscannern und Firewalls inzwischen auch mit Adblockern schützen wollen und müssen. So wurden in dem o.g. Beitrag tausende Rechner von Nutzern zu Opfern von manipulierten Werbeanzeigen, welche über kompromittierte Werbenetzwerke verteilt wurden. Genauer gesagt handelt es sich dabei um den Verschlüsselungstrojaner TeslaCrypt – und dies ist leider kein seltener Einzelfall. Adblocker sind (leider!) dadurch oft zu einem notwendigen Übel geworden. An dieser Stelle sind also die Publisher gefragt nicht nur ihre Werbeformen auf ein akzeptables Maß anzupassen und zumindest die Akzeptanz für Werbung auf Websites zurück zu gewinnen, sondern sich zudem auch Gedanken über die Sicherheit ihrer Nutzer zu machen.

Datenschutz – Ja, Privatsphäre ist wichtig!

Gedanken machen sich indes auch die Nutzer, wenn es um das Thema Datenschutz geht. Während kleine Websites und Onlineshops oft nur ein Tracking-Tool – in der Regel Google Analytics oder Piwik – für die eigene Datenerhebung nutzen, so sieht man bei vielen mittleren und großen Portalen inzwischen teilweise 10, 20 oder manchmal sogar bis zu 40 oder 50 Tracker von verschiedensten Drittanbietern und Werbenetzwerken, die fleißig das Nutzerverhalten verfolgen, analysieren und speichern. Auch dies ist für viele Nutzer in Bezug auf den Datenschutz inzwischen ein No-Go. Aus Sicht eines Online-Marketers und Websitebetreibers ist dies für uns natürlich schlecht, aber gerade deshalb sollten wir uns nicht davor verschließen unsere Nutzer zu verstehen. Im Gegenteil, denn Werbung wird langfristig von den Nutzer nur akzeptiert werden, wenn es ihnen in einem angemessenen Rahmen und unter bestimmten Bedingungen präsentiert wird. Adblocker und das veränderte Nutzerverhalten sollte daher auch als Chance für Veränderungen hinsichtlich der Display-Werbung gesehen werden – oder?

In diesem Sinne… Brainstorming an, Adblocker aus! So, und nun bin ich auch mal auf Eure Meinung zum Thema Adblocker gespannt 😉