ArtikelverzeichnisseEs vergeht fast keine Woche, in der nicht irgendwo auf einem Stammtisch, in einem Blog oder Forum die Diskussion um „Artikelverzeichnis“ entbrannt. Während die Einen darauf schwören, machen die Anderen lieber einen großen Bogen um Links aus Artikelverzeichnissen. Da das Thema seit dem Penguin-Update inzwischen wohl zu einem der heißesten Themen überhaupt in der SEO-Szene geworden ist, möchte auch ich heute mal meine Gedanken zu diesem Thema loswerden. Sind Artikelverzeichnisse generell schlecht und deshalb tatsächlich Schnee von gestern?

Exkurs: Was sind Artikelverzeichnisse?

Für alle, die nicht wissen was Artikelverzeichnisse sind, hier ein kurzer Exkurs: Bei einem Artikelverzeichnis handelt es sich in der Regel um einen Blog, in dem „Gastartikel“ veröffentlicht werden können. Die Texte haben dabei oft eine Länge um die 300 Wörter und in diesen Texten sind – wie könnte man auch anders erwarten – ausgehende Backlinks enthalten. In der Regel erfolgt die Veröffentlichung in einem solchen Artikelverzeichnis gegen eine entsprechende Vergütung.

Sind Artikelverzeichnisse schlechte Linkquellen?

Artikelverzeichnisse sind genauso gut oder schlecht wie jede andere Linkquelle auch und natürlich stellen diese für Suchmaschinenanbieter ein rotes Tuch dar, da sie gegen die geltenden Richtlinien verstoßen. Aber wenn man Artikelverzeichnis als schlechte Linkquelle bezeichnet, dann müsste man auch andere Linkquellen wie z.B. Webkataloge, Social Bookmarks, Foren, Presseportale, Parasites, etc. in einem Atemzug nennen, da sie eigentlich zu keinem anderen Zweck existieren. Was dann letztlich noch übrig bleiben würde, wären ausschließlich Websites mit sehr hohrem Trust, von der jeder gerne einen Link bekommt. Aber auch hier muss man nicht selten mit klingender Münze bezahlen, was Google mindestens ebenso wenig gefallen dürfte. Kurz: Richtet man sich also konsequent nach den Google Richtlinien, dann wären letztlich alle Links, die durch die Absprache mit einem anderen Websitebetreiber gesetzt wurden, kritisch. Aber nicht der Umstand, dass es sich um Blogs handelt, in denen Gastartikel veröffentlicht werden können, machen Artikelverzeichnis zu einer schlechten Linkquelle – es liegt ganz einfach an der falschen Projektierung!

Auf die richtige Projektierung kommt es an!

Warum sollte Google etwas gegen Blogs haben, die Gastartikel veröffentlichen und darin ggf. auf andere Websites verweisen? Im Grunde nichts, denn dann müsste eigentlich jeder Blog aus dem Index fliegen. Geht es also nur um bezahlte Backlinks? Ja, aber Google kann gottlob (noch) nicht auf den Geldverkehr von Sparkasse, Targobank & Co zugreifen. Ergo muss und kann Google gekaufte Links nur anhand von bestimmten Mustern bzw. Footprints und der Projektierung und Qualität der Linkquellen erkennen.

Wenn man sich die Projekte anschaut, die vor einiger Zeit von Google aus dem Index gekegelt wurden, dann erkennt man sehr schnell ein Muster: Es handelt sich um Expired Domains, die mehr oder weniger lieblos projektiert wurden. Es wurde vielleicht 10 Minuten nach einem kostenlosen WordPress-Theme gesucht und dann am nächsten Tag schon die ersten Gastartikel mit Backlinks verkauft – oft mehrere am selben Tag und fast immer nach dem selben Schema: Ein 300-Wörter-Artikel + ein Backlink zur Seite des Käufers + ein Link zu Wikipedia. Dabei war es den Betreibern offenbar auch völlig egal um welche Themen es sich handelt: Kredite, Waschmaschinen, Abendkleider, Wasserbetten, usw. findet man bunt gemischt. Alles was Geld brachte, wurde aufgenommen. Hauptsache der Rubel rollt! Und da wundert man sich ernsthaft, dass die Seiten irgendwann aus dem Index fliegen? Natürlich gibt es auch heute noch sehr viele Gegenbeispiele die zeigen, dass auch das Konzept heute noch ohne Probleme funktioniert, aber das sollte meiner Meinung im Sinne der Nachhaltigkeit kein Grund sein es auch unbedingt weiterhin so zu machen. Google will Qualität, also liefert ihnen doch Qualität!

Artikelverzeichnisse bedeuten Kreativität und Qualität!

Was viele vergessen haben: Der Algorithmus von Google ist längst nicht mehr so schlecht wie manche glauben. Google erkennt durchaus Muster und auch ob bestimmte Themen zusammenpassen oder nicht – besonders, wenn es sich um die Wiederbelebung von Expired Domains handelt. Bereits vor Jahren wurde in verschiedenen Blogs und Foren gepredigt: Wenn ihr Expired Domains nutzt, dann bleibt möglichst nah am ursprünglichen Thema der ehemaligen Website. Aber irgendwie ist dieser Kelch an Einige vorbeigezogen und nun müssen die Leute am eigenen Leibe erfahren, dass dieser uralte Tipp eben doch Gold wert war bzw. ist.

Das Thema Artikelverzeichnis verlangt vom Betreiber Kreativität und Qualität in dem Sinne, dass ein Artikelverzeichnis auch einer manuellen Kontrolle durch einen menschlichen Qualityrater standhalten sollte – weil die Seite tatsächlich einen Mehrwert bietet! Stimmt die Qualität eines Blogs, dann gibt es auch für Google eigentlich keinen erkennbaren Grund, eine Website abzustrafen nur weil sie ein paar ausgehende Links hat, denn jeder Blog hat irgendwelche ausgehende Links. Links sind Empfehlungen und sollten wenn möglich auch in diesem Sinne als solche genutzt werden.

Manchmal muss man auch mal „Nein“ sagen können!

Wenn der schnelle Euro winkt, dann schaltet das Gehirn leider recht schnell auf Stand by und die Gier siegt über den Verstand. Ein Sprichwort sagt: „Weniger ist manchmal mehr“ – und genau dies gilt auch hier, denn gelegentlich muss man auch als Publisher mal „Nein“ sagen können! Das kann sowohl für den Publisher als auch für den Interessenten in Bezug auf SEO von Vorteil sein. Sicherlich gibt es auch Expired Domains welche einen Mix aus Themen ermöglichen, aber in der Regel handelte es sich ursprünglich doch um eine themenspezifische Website und allein daran sollte man sich orientieren. Als Beispiel bedeutet das: Auf eine ehemalige Domain zum Thema Bildung gehören einfach keine Artikel zu den Themen Autoversicherungen, Schuhe oder Wasserbetten – sofern man es nicht irgendwie thematisch halbwegs schlüssig begründen kann. Klar geht im Augenblick der Ablehnung eines Gastartikels ein Auftrag verloren, aber stattdessen bleibt dadurch die Themenrelevanz der Seite gewahrt und das kann auf Dauer deutlich mehr Wert sein.

Fazit

Natürlich gibt es bessere Linkquellen, aber meiner Meinung nach sind Artikelverzeichnisse weder besser noch schlechter als andere klassische Linkquellen. Der richtige Linkmix macht den SEO-Erfolg aus! Letztlich muss man sich auch bei den Artikelverzeichnissen die Rosinen heraussuchen und die gängigen Metriken prüfen. Noch viel wichtiger dürfte für Publisher in Zukunft werden, die Qualität der Artikelverzeichnissen inhaltlich und optisch zu steigern und dabei möglichst einen Mehrwert nicht nur für die Suchmaschinen, sondern auch für die Leser schaffen. So und jetzt bin ich mal auf eure Meinung gespannt, das Thema Artikelverzeichnisse dürfte ja für eine rege Diskussion sorgen 😉